Zur Situation in Bosnien

Geflüchtet Junge bei gespendet Kleidungausgabe in Velika Kladuša, Bosnien. © Angélica Sánchez, 2018

Sackgasse am Rand der EU

Kalt ist es im bosnisch-kroatischen Grenzort Velika Kladusa geworden. Etwa zwei Kilometer von der europäischen Außengrenze entfernt, ist er Station für Hunderte Geflüchtete, die ihren langen, kostspieligen und gefährlichen Weg Richtung Mitteleuropa suchen. Doch für viele der meist jungen Männer aus Ländern wie Afghanistan, Pakistan und Algerien auch Endstation. Obwohl die Grenze Richtung Kroatien anders als die Serbisch-ungarische Grenze nicht mit einem Zaun abgeriegelt ist, zeigt sie sich genauso als gefährliches Bollwerk europäischer Migrationspolitik. Immer wieder berichten Journalisten und NGOs über das brutale Vorgehen der kroatischen Grenzpolizei gegenüber der Geflüchteten. 

Das Grenzgebiet um Velika Kladuša - © Giorgio Morra, 2018
Das Grenzgebiet um Velika Kladuša. © Giorgio Morra, 2018

Seit unserem Besuch in Bosnien letzten Jahres hat sich die Situation verschärft. Die offiziellen Lager der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind heillos überfüllt, europäische Hilfsgelder fehlen. Zudem treibt ein ins Wanken geratener Türkeideal immer mehr Menschen über die Balkanroute gen Westen. Bosnien, das im Human Development Index weit abgeschlagenes Schlusslicht Europas ist, wird von der EU mit der Situation allein gelassen. Staatliche Unterstützung für die Geflüchteten fehlt fast vollständig. NROs und der UNHCR versuchen mit bescheidenen Mitteln Tag täglich das Überleben der Menschen zu sichern.

Provisorische Duschen, die mithilfe einfacher Mittel von der NRO No Name Kitchen eingerichtet wurden. © Giorgio Morra, 2018

Eine dieser Organisationen, die derzeit die Menschen mit dem Nötigsten wie Essen, Kleidung und Schlafsäcken unterstützen, ist No Name Kitchen (NNK). Sie haben provisorische Duschen eingerichtet und helfen den Geflüchteten zum einen in einer ärztlichen Grundversorgung in Zusammenarbeit mit Ärzte ohne Grenzen und registrieren bzw. dokumentieren das unmenschliche Vorgehen bei den Push-Back Handlungen der kritischen Grenzpolizei.
Das Team, mit dem wir seit unserem ersten Besuch engen Kontakt halten, arbeitet derzeit an seiner Belastungsgrenze, denn der Winter hat die Situation vor Ort dramatisch verändert. Erfrierungen und Krankheiten steigen in den provisorischen Camps während die Temperaturen weiter fallen. 

oben: Bilder der wahrscheinlichen Misshandlungen durch die kroatischen Grenzpolizei nach Push-Backs Richtung Bosnien.
unten: Ein Zaun der den Sportplatz von den provisorischen Duschen und Waschmöglichkeiten abgrenzt.
© Angélica Sánchez, 2018

Die Bilder von Angélica Sánchez (Helferin bei No Names Kitchen) und Giorgio Morra (Fotojournalist) sind im Winter 2018 entstanden. Weitere Berichte unter diesem Link.